Sprache und Zukunft

Tempora mutantur, nos et mutamur in illis: Sprachwandel | Christiane Hohenstein

Thema a Sprachwandel am Beispiel geschlechtergerechter Sprache: Erste Welle, zweite Welle, dritte Welle

Aufgabe 1 | Geschlechterstereotype: ”Women vs. Men” [10']

Aufgabe 1 | Geschlechterstereotype: ”Women vs. Men” [10']

Der Begriff ‚Doing Gender‘ bezeichnet also den engen Zusammenhang zwischen dem, wie wir sprechen, uns verhalten oder geben und der Wahrnehmung unserer Geschlechtsidentität. Das Video Women vs Men von Bruno Bozzetto thematisiert bestimmte Verhaltensweisen, die häufig mit Geschlechtsunterschieden assoziiert werden und daher als Beispiele für ‚Doing Gender‘ verstanden werden können. Sehen Sie sich das Video an. Was wird hier als 'Doing Gender' sichtbar gemacht?

 

Lösung
Der Videoclip nutzt in karikaturistischer Weise als Animation Stereotype über typisch männliches und typisch weibliches Verhalten, bezogen auf gesellschaftliche Alltagssitutionen. Genderunterschiede werden überdeutlich, karikierend-ironisch gezeigt. Die gezeigten Verhaltensweisen sind als Doing Gender verstehbar, als Ausagieren von genderspezifischen Verhaltensweisen, über die ein gesellschaftlich geteiltes Wissen besteht (in europäischen und anglosächsischen Gesellschaften). Interessanterweise haben Stereotype oft einen "wahren Kern", deshalb können wir uns wenigstens teilweise wiedererkennen, oder aber denken sofort an Situationen, die wir schon erlebt haben. Die Stereotype repräsentieren ein gesellschaftlich geteiltes Wissen (in europäischen Gesellschaften) mit dem Bezug auf historisch gewachsene Vorstellungen über das, was Männer ausmacht, und das, was Frauen ausmacht. Wir können uns auch vorstellen, welchen Effekt es hätte, wenn eine weiblich gekennzeichnete Figur die gezeigten männlichen Verhaltensrepertoires ausagieren würde.
Aufgabe 2 | (Un-)Doing Gender: Professionell und kompetent wirken [10']

Aufgabe 2 | (Un-)Doing Gender: Professionell und kompetent wirken [10']

‚Doing Gender‘ hat einen Einfluss darauf, ob wir als professionell oder kompetent wahrgenommen werden. Wir können diesen Einfluss jedoch mitbestimmen: indem wir Geschlechterstereotype unterlaufen oder mit ‚Undoing Gender‘ neue Akzente setzen. Reflektieren Sie die Bedeutung von 'Doing Gender' für Ihre Berufsperspektive. Wie können Sprachberufe und Berufe im Dienstleistungssektor mit ‚Un/Doing Gender‘ umgehen?

 

Lösung
Das Inszenieren einer Geschlechtsidentität als Frau oder das Unterlaufen von klassischen Stereotypen der Geschlechtsidentität, beides kann in unterschiedlichen beruflichen Situationen eine Rolle für eine professionelle Selbstdarstellung spielen. Wenn Sie an das Beispiel der früheren britischen Premierministerin Margaret Thatcher denken: in politischen Ämtern und in Führungspositionen kann es Frauen helfen, Doing Gender eher in Richtung männlich assoziierter Verhaltensweisen zu inszenieren.
 
Das Business-Kostüm oder der Powersuit in der amerikanischen Geschäftswelt sind Ausdrucksmittel des Doing Gender, um ein Bild einer starken Frau zu inszenieren. Die tiefe Sprechstimme und Modulation von deutschen Radiomoderatorinnen und Fernsehsprecherinnen ist ein anderes Beispiel, bei dem Genderstereotype unterlaufen werden und Doing Gender als Sichtbarkeit von Geschlechtsidentität mit Attributen inszeniert wird, die traditionell mit dem männlichen Doing Gender assoziiert werden.
 
Undoing Gender, d. h. das aktive Absehen von Geschlechtsidentität und Geschlechterstereotypen kann gerade beim Lehren, Coachen und Beraten im Kontakt mit Klient:innen oder Kund:innen eine Rolle spielen. Es ist eine (auch situativ vielleicht unterschiedlich ausfallende) Entscheidung,  ob man sich stärker entlang gesellschaftlicher Geschlechterstereotype inszeniert oder diese unterläuft.