Die Praxis in Sprachberufen untersuchen

Mit Bedacht verallgemeinern: Fallstudien auswerten | Prof. Dr. Daniel Perrin

Thema d Evaluation: Konsistenz prüfen und Beforschte mit einbeziehen

Aufgabe 1 | Konsistenz: Ergebnisse nachvollziehbar machen [10']

Aufgabe 1 | Konsistenz: Ergebnisse nachvollziehbar machen [10']

In der Forschung, auch mit Fallstudien, ist unabdingbar, dass die Ergebnisse intersubjektiv überprüft werden können. Lesen Sie in der folgenden Fallanalyse die Seiten 101 und 102 durch. Geben Sie an, ob Validität in diesem Beispiel gewährleistet ist und erklären Sie Ihre Einschätzung.

https://www.shlr.ch/fileadmin/documents/PDF_Forschung_abgeschl_Projekte/2015/Vogt_et_al_2015_SZBW_Sprachfoerderung_im_Alltag.pdf

Lösung
Jein. Diese kurze Fallstudie gibt Zugang zu den grob transkribierten Daten und erklärt, wieso welche Kategorien verwendet worden sind. Jedoch wird nicht ersichtlich, wie etwa die prosodischen Merkmale analysiert wurden, und es kann nicht nachvollzogen werden, wie die Akzentsetzung und Pausenverwendung in diesem Fall hier Fragen prägen.
Aufgabe 2 | Validität: Transdisziplinär mehr erreichen [10']

Aufgabe 2 | Validität: Transdisziplinär mehr erreichen [10']

Ein transdisziplinäres Vorgehen fördert die Validität. – Erklären Sie diese Aussage und überlegen Sie darüber hinaus, wieso ein transdisziplinäres Vorgehen für den gesamten Forschungsprozess wertvoll ist und speziell auch im Feld der Angewandten Linguistik eine wichtige Rolle spielt.

Lösung

Ein transdisziplinäres Vorgehen erarbeitet Lösungen für gesellschaftliche Probleme. Zudem fördert es die Kooperation zwischen wissenschaftlichen und berufspraktischen Fächern und kann so auch zu neuen Theorien führen.

Das gelingt aber nur, wenn die beteiligten Gruppen eine gemeinsame Sprache finden, in der sie das Problem erfassen und die Lösung entwickeln können. Übersetzungsarbeit zwischen den Denkmustern, Konzepten und Begriffen der verschiedenen Fächer ist also gefragt.

Hier kommt immer, also in jedem transdisziplinären Projekt, die Angewandte Linguistik ins Spiel, weil sie Tools kennt und schaffen kann, über fachliche und kulturelle Grenzen hinweg zu kommunizieren – also die gemeinsame Sprache zu entwickeln, die für transdisziplinäre Forschung so zentral ist.

Aufgabe 3 | Verallgemeinern: Warum Tiefe statt Breite [10']

Aufgabe 3 | Verallgemeinern: Warum Tiefe statt Breite [10']

Um etwas aber kann es bei Fallstudien nicht gehen: um Ergebnisse, die sich beliebig verallgemeinern lassen. Erklären Sie diese Aussage und überlegen Sie sich, warum die Quantifizierung bei Fallstudien nicht im Zentrum steht.

Lösung

Mit einer Fallstudie wird ein Fall aus verschiedenen Blickwinkeln und mit möglichst viel Detailtiefe beleuchtet, wie das bei einer Studie, die auf Verallgemeinerung abzielt, nicht möglich ist. Ein Fall kann beispielsweise eine Organisation, eine Person, ein Ort oder ein Ereignis sein und sollte neue Einblicke in ein spezifisches Forschungsthema eröffnen, und zwar so detailliert und vielschichtig wie möglich.

Ein Beispiel: Bevor die Forschung auszählen kann, welche Faktoren das Lernen von Sprachen beschleunigen oder bremsen, muss sie diesen Faktoren auf die Spur kommen. Fallstudien können dann solche Faktoren aufzeigen, etwa über Tagebücher, die die Sprachlernenden führen und in denen sie festhalten, was sie beim Lernen motiviert oder demotiviert.