Sprache und Mensch

Man kann nicht nicht? – Zugänge zur Kommunikation | Oliver Winkler, Ursula Stadler Gamsa

Thema e Thema e Turn und Turn-Taking

Aufgabe 1 | Konversationsanalyse: Phänomene beobachten [5']

Aufgabe 1 | Konversationsanalyse: Phänomene beobachten [5']

Welche Phänomene der Konversationsanalyse (KA) nach Schegloff, Sacks und Jefferson können Sie in 1, 2 und 3 beobachten? Ergänzen Sie die fehlenden Termini.

Lösung

Aufgabe 2 | Transkription: Gespräche unter dem Mikroskop I [25']

Aufgabe 2 | Transkription: Gespräche unter dem Mikroskop I [25']

Studio Friedman war eine deutsche Polittalkshow, die durch ihre energische Debattenkultur bekannt wurde. Im folgenden Video zum Thema „Autofahren wird zum Luxus“ diskutierten Moderator Michel Friedman, Anton Hofreiter (Grüne) und Andreas Scheuer (CSU) die explodierenden Benzinpreise im Jahr 2012.

Schauen Sie das nachfolgende Video ab Minute 06:30 bis 07:20 und transkribieren Sie die Sequenz von 06:40 bis 07:06 nach dem gleichen Prinzip wie in der Gesprächssequenz in Aufgabe 1.

Tipp: Um überlappende Äußerungen zu kennzeichnen, nutzen Sie folgende Notation mit «[ überlappende Äußerung ]».

1 Hofreiter: Man muss den Rahmen setzen [den Rahmen setzen wir (-) die Politik ]

2 Friedman: [so und jetzt setzen wir einen Herr Hof]

3 Friedman: reiter schauns mich mal kurz an

(-) = Pause

 

Aufgabe 3 | Transkription: Gespräche unter dem Mikroskop II [10']

Aufgabe 3 | Transkription: Gespräche unter dem Mikroskop II [10']

Sie haben die kurze Sequenz aus Übung 2 transkribiert. Nutzen Sie nun das Inventar der KA, um die transkribierte Sequenz zu beschreiben. Was fällt Ihnen auf?

Welche Limitationen bei der Beschreibung von Konversationen in der KA fallen Ihnen für die gesamte Sequenz und ihre Transkription auf? Beziehen Sie sich in Ihren Überlegungen auf die vorigen Abschnitte des Kapitels «Man kann nicht nicht?».

 

Lösung
Die Sequenz beginnt mit einem initiierenden Turn des Moderators, der durch einen TRP (transition relevance place, hier als eine adressierte Frage pragmatisch als auch intonatorisch eindeutig für den Gesprächspartner gekennzeichnet) abgegeben wird. Die Paarsequenz wird vervollständig durch Anton Hofreiters erste Aussage zum Gegenstand der Frage.
 
Ein weiterer Sprecherwechsel erfolgt am Ende der Aussage Hofreiters zu dem dritten Beteiligten Andreas Scheuer (CSU), der sich selbst wählt, um den Turn von Hofreiter zu übernehmen. An dieser Stelle sind zwei Beobachtungen möglich: (1) Es kommt nicht zur Überlappung, da Hofreiter an einem möglichen TRP abgibt und das weitere Rederecht nicht einfordert, (2) Hofreiter war noch nicht bereit, seinen Turn abzugeben, was durch das Einatmen signalisiert wird.
 
Die transkribierte Sequenz schließt mit einer Überlappung (bzw. Unterbrechung) nach einem längeren Turn Hofreiters ab. Überlappungen entstehen oftmals infolge einer Missachtung der Konventionen / des Regelsystems oder durch eine Fehlinterpretation der TRPs. Wie Sie sehen können, kommt es zu einem Konkurrenzkampf um das Rederecht, das Hofreiter allerdings durch den Einsatz von Gestiken, Blickkontakt und paraverbaler Modulation halten kann.
 
Hier werden auch die Limitationen der Konversationsanalyse deutlich: Viele nonverbale und paraverbale Phänomene oder Signale können nicht mittels KA erfasst werden.