Die Praxis in Sprachberufen untersuchen

Praxisprobleme lösen: Korpuslinguistik im Beruf | Dr. Julia Krasselt

Thema b Organisationskommunikation und Journalismus: Öffentliche Diskurse mit Korpora erforschen

Erkunden Sie den Gebrauch eines Schlagworts in journalistischen und in Organisationsdiskursen am Ende der Corona-Pandemie:

Aufgabe 1 | Schlagworte: Ein Interview zum Freedom-Day [10']

Aufgabe 1 | Schlagworte: Ein Interview zum Freedom-Day [10']

Lesen Sie das Experten-Interview zum Schlagwort Freedom-Day bei SRF, um sich mit der Problematik hinter diesem Begriff vertraut zu machen:

https://www.srf.ch/news/schweiz/lockerung-der-covid-massnahmen-freedom-day-darum-ist-der-begriff-problematisch

 

Lösung

Sie wissen nun, woher der Begriff Freedom-Day kommt und warum sein Gebrauch als Schlagwort im öffentlichen Diskurs problematisch ist.

Aufgabe 2 | Schlagworte: Risiken und Nebenwirkungen [15']

Aufgabe 2 | Schlagworte: Risiken und Nebenwirkungen [15']

Fassen Sie zusammen, warum die Verwendung von Schlagworten in Organisationskommunikation und Journalismus unvermeidlich ist, aber was Sprachprofis dabei bedenken müssen.

 

Lösung
Schlagworte sind eine Form knappen, bedeutungsreichen und werteorientierten sprachlichen Ausdrucks, sie steuern deshalb Aufmerksamkeit, eignen sich für kurze Formate und vernetzen Social-Media-Beiträge effizient, etwa in Form von Hashtags. Sprachprofis sollten aber abwägen, mit wem sie sich durch den Gebrauch von Schlagworten vernetzen und ob die Bedeutungen und Werte, die sich dadurch vermitteln, ihren Intentionen entsprechen.
Aufgabe 3 | Schlagworte: Bewusst einsetzen [15']

Aufgabe 3 | Schlagworte: Bewusst einsetzen [15']

Lesen Sie den Entscheid der SRF-Redaktion in Bezug auf das Schlagwort Freedom-Day nach («Warum SRF den Begriff nicht mehr verwendet», gleicher Link:

https://www.srf.ch/news/schweiz/lockerung-der-covid-massnahmen-freedom-day-darum-ist-der-begriff-problematisch

Formulieren Sie, wie sich dieser Entscheid mit Blick auf die Funktion des journalistischen Diskurses begründen lässt.

 

Lösung
Der Begriff steht in Texten zu US-amerikanischen Feiertagen und zur Befreiung von Sklaverei; er wird zudem von Rechtsparteien als Kampfbegriff gegen Covid-Massnahmen verwendet. Das lässt sich durch Konkordanz- und Kollokationsanalysen in Datenkorpora zeigen. Die Verwendung des Schlagworts ist deshalb entweder inhaltlich unpassend oder politisch sehr parteiisch, was dem Korrektheits-, Objektivitäts- und Relevanzanspruch des Journalismus widerspricht.
Aufgabe 4 | Schlagworte: Richtig einbetten [5']

Aufgabe 4 | Schlagworte: Richtig einbetten [5']

Skizzieren Sie, welcher Muster des Sprachgebrauchs sich Medienschaffende bedienen könnten, wenn Sie über eine Veranstaltung unter dem Titel Freedom-Day nach den Vorgaben der SRF-Redaktion berichten würden.

 

Lösung
Sie sollten die Kollokation Freedom-Day weder zur Bezeichnung eines Zeitpunkts noch eines bestimmten Ereignisses im Zusammenhang mit dem Ende der Covid-Massnahmen verwenden. Um ein lebendiges Bild des Handelns und der Strategie der Veranstalter zu vermitteln, können sie sich der Muster des Zitats (in Anführungs-und Schlusszeichen) oder der indirekten Rede bedienen.
Aufgabe 5 | Reflektierte Praxis: Sprachgebrauch öffentlich kritisieren [25']

Aufgabe 5 | Reflektierte Praxis: Sprachgebrauch öffentlich kritisieren [25']

Schauen Sie sich das Video der Medienkonferenz der Covid-Taskforce an, gleicher Link:

https://www.srf.ch/news/schweiz/lockerung-der-covid-massnahmen-freedom-day-darum-ist-der-begriff-problematisch

Fassen Sie den Standpunkt von Urs Karrer, einem Mitglied der damaligen wissenschaftlichen Covid-Taskforce, zusammen. Entwickeln Sie eine eigene, professionelle Argumentation, was für und was gegen seine Äusserungen spricht.

 

Lösung
Die Verwendung des Schlagworts in Organisationsdiskursen von Wirtschaftsverbänden, Rechts-Parteien und Firmen sei keine kluge Strategie und könnte für diese selber schädlich sein. Dafür spricht, dass sich diese Akteure die populistische Propaganda der englischen Regierung zu eigen machen, was Kritik bei eigenen Mitgliedern oder unter der eigenen Kundschaft provozieren könnte. Dagegen spricht, dass Urs Karrers Beitrag ein Teil des Organisationsdiskurses von staatlichen Behörden (im Medienzentrum des Bundeshauses) und wissenschaftlicher Task-Force leistet. Diese sind geprägt durch Neutralitäts- bzw. Objektivitätsgebote, was eine Kritik an Parteien und Privaten aus dem erwartbaren und legitimen Rahmen fallen lässt.