Sprache und Mensch

Man kann nicht nicht? – Zugänge zur Kommunikation | Oliver Winkler, Ursula Stadler Gamsa

Thema h Konventionen, Ziele, Symmetrie

Aufgabe 1 | Konventionen: Wer darf mit dem Schiedsrichter reden? [10']

Aufgabe 1 | Konventionen: Wer darf mit dem Schiedsrichter reden? [10']

Ein Foul, ein Pfiff und schon bildet sich eine aufgeregte Traube um den Schiedsrichter. So oder ähnlich könnte es sich auf diesem Bild abgespielt haben:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Welche Gesprächsziele könnten die Beteiligten verfolgen? Welche Zielkonflikte könnte es geben? Welche Asymmetrien entdecken Sie?

Lösung

In diesem Bild treten drei Parteien aufeinander: Die Vertreter von zwei Teams und die Schiedsrichter. Die offensichtlichste Asymmetrie besteht darin, dass die Schiedsrichter Entscheidungsgewalt haben. Die Spieler haben nur beschränkt Einfluss darauf. Sie werden jedoch versuchen einen Vorteil zu erhalten (z.B. einen Freistoß oder Einwurf), erklären, dass es sich nicht um ein Foul handelt (z.B. weil es nicht zu einem Körperkontakt gekommen ist), lindernde Maßnahmen fordern oder ihre Perspektive des Vorfalls schildern.

Die Schiedsrichter hingegen werden versuchen, eine faire Beurteilung der Situation vorzunehmen, Strafmaße erteilen, die Wogen zu glätten und das Spiel fortzusetzen. Ein Fußballspiel ist per se bereits eine Konfliktsituation; d.h. Zielkonflikte sind vorprogrammiert. Die Zielkonflikte entstehen besonders dort, wo die Einschätzung des Schiedsrichters von der der Spieler abweicht.

Aufgabe 2 | Kommunikationsmittel: Von der Pfeife bis zur Karte [10']

Aufgabe 2 | Kommunikationsmittel: Von der Pfeife bis zur Karte [10']

Schauen Sie sich das Bild aus Übung 1 an:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Welche Kommunikationsmittel stehen dem Schiedsrichter zur Verfügung (vgl. das Unterkapitel A)? Was macht er anders im Gegensatz zu gewissen Spielern?

 

Lösung
Nebst den verbalen Kommunikationsmitteln stehen dem Schiedsrichter auch non- und paraverbale zur Verfügung. Hierzu zählen die Pfeife, die gelbe und rote Karten oder Anweisungen mit Händen (z.B. weiterspielen lassen). Auf dem Bild werden die lockere Körperhaltung und die beschwichtigenden Handbewegungen deutlich. Dies sind auch nonverbale Signale, die deeskalierend wirken.
Aufgabe 3 | Gesprächsziele: Gekonnt überzeugen [10']

Aufgabe 3 | Gesprächsziele: Gekonnt überzeugen [10']

Schauen Sie sich die Szene aus der Comedy-Serie The Office an:

Was sollte das Gesprächsziel eines Bewerbungsgespräches sein? Was ist die hidden agenda der Beteiligten? Inwiefern werden Asymmetrien parodiert und was hat dies mit Turns zu tun?

 

Lösung
Bei einem Bewerbungsgespräch geht es darum, die Eignung zu prüfen. Jim reicht es den Namen von Dwight zu erfahren. Dies impliziert, dass er Dwight als ungeeigneten Kandidaten bewertet und ihn unabhängig von dem Bewerbungsgespräch nicht anstellen würde. So wird bereits am Anfang des Gesprächs ein Zielkonflikt offensichtlich. Die Asymmetrie zwischen Jim und Dwight wird teilweise aufgehoben, da Dwight die Rolle von Jim übernimmt und sich selbst die Fragen stellt. Dwight markiert mit paraverbalen Unterschieden (Höhe der Stimme, Stimmführung, Pausen etc.) die Turns seiner zwei Rollen und verspricht sich selbst sogar eine Einstellung.