Sprache und Maschine

To be or not to be: Sprachnormen online und offline | Christa Stocker

Thema b Prä- und deskriptive Normen: Wenn sich Regeln im Sprachgebrauch von selbst verändern

Aufgabe 1 | Zielnorm und Gebrauchsnorm: Fall Zwiebelfisch [15']

Aufgabe 1 | Zielnorm und Gebrauchsnorm: Fall Zwiebelfisch [15']

Lernen Sie in den Zwiebelfisch-Kolumnen, wie Zielnormen und Sprachgebrauchsnormen ineinandergreifen:

https://bastiansick.de/category/kolumnen/zwiebelfisch/

Lesen Sie einige Zwiebelfisch-Kolumnen von Bastian Sick.

Lösung
In den Zwiebelfisch-Kolumnen kommentiert Bastian Sick deskriptiv aktuellen Sprachgebrauch. Konkurrierende Varianten erklärt er linguistisch und historisch und gibt zum Teil Empfehlungen ab, welche Variante bevorzugt zu verwenden ist (präskriptiv), ohne jedoch absolut eine Zielnorm zu formulieren.
Aufgabe 2 | Bewusster Normverstoß: ”Against the rules” [25']

Aufgabe 2 | Bewusster Normverstoß: ”Against the rules” [25']

Erfahren Sie in «The Alex Kogan Experience», welchen Stellenwert die deskriptive Sprachbetrachtung bei der Entstehung von Regelwerken haben kann und warum die Verletzung von Zielnormen, die eigentlich präskriptiv, d.h. vorschreibend sind, manchmal die «bessere» Lösung ist.

https://www.pushkin.fm/podcasts/against-the-rules/the-alex-kogan-experience

Hören Sie sich im Podcast die Minute 10:00 bis 21:20 an. Darin berichtet Michael Lewis über einen Besuch beim Verfasser von «Garner's Modern English Usage», einem Referenzwerk für Englischen Sprachgebrauch.
  1. Warum ist Garners Klassifikation neuer Wortverwendungen deskriptiv?
  2. Wie bewerten Sie im Spannungsfeld von Präskription und Deskription, dass Garners Hausbank dabei geblieben ist, nach der Anrede statt eines Kommas einen Strichpunkt zu setzen?

 

Lösung
  1. Garner klassifiziert Veränderungen im Sprachgebrauch auf der Basis von Daten und teilt sie in Klassen von «A new form emerges as an innovation among a small minority of the language community.» bis «The form is universally accepted.» ein. Er beschreibt sie damit wertneutral (deskriptiv) nach ihrer Verwendungshäufigkeit.
  2. Nach der Anrede einen Strichpunkt zu setzen – «Dear customer; …» –, ist im Englischen gemäß der Zielnorm, d.h. präskriptiv betrachtet, falsch. Korrekterweise müsste ein Komma gesetzt werden. Das hat Garner, der selbst Referenzwerke für den Sprachgebrauch schreibt, versucht, den Mitarbeitenden der Bank klarzumachen.

Da viele der Angestellten den Strichpunkt präferierten, das hatte eine deskriptive Erfassung des gängigen Sprachgebrauchs ergeben, blieb die Bank bei ihrer «falschen» Interpunktion, d.h. sie orientierte sich an der Sprachgebrauchsnorm der Angestellten.

Aufgabe 3 | Sprachpflege: Pantscher des Jahres [15']

Aufgabe 3 | Sprachpflege: Pantscher des Jahres [15']

Erleben Sie auf der Webseite des Vereins Deutsche Sprache, wie sprachpflegerische Organisationen argumentieren:

https://vds-ev.de/pressemitteilungen/tagesschau-und-heute-nachrichten-sind-die-sprachpanscher-2020/

https://vds-ev.de/sprachpanscher/

Lesen Sie die aktuelle Pressemitteilung zur Wahl der Sprachpanscher des Jahres. Welche Themen sind für den sprachpflegerischen Verein Deutsche Sprache bei der Wahl ausschlaggebend? Auf welche Argumente stützt er sich?

Lösung

Themen:

  • Anglizismen
  • Gendergerechte Sprache (Gender*)

Argumente

  • Mehrheitsentscheid der Mitglieder
  • deutschsprachiger Wortschatz
  • Einhaltung schriftsprachlicher Zielnorm (auch im mündlichen Sprachgebrauch)
  • Autoritativ: eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit ist die einzig richtige.