Sprache und Maschine

To be or not to be: Sprachnormen online und offline | Christa Stocker

Zusammenfassende Aufgaben «To be or not to be»

Aufgabe +1 | Leseauftrag [40']

Aufgabe 1 | Leseauftrag [40']

Lesen Sie im Buch «Internetlinguistik» von Konstanze Marx und Georg Weidacher die Seiten 212-228 (Marx & Weidacher, 2020). Überlegen Sie sich je ein Beispiel dafür, wie Hypertextualität, Multimodalität, Fluidity und Dialogizität die Arbeit von Sprach- und Kommunikationsprofis wie Medienschaffende, Fachleute der Organisationskommunikation, Übersetzer*innen, Dolmetscher*innen, Sprachlehrer*innen oder Technischen Redaktionsmitgliedern beeinflusst. Was verändert sich gegenüber der Offline-Kommunikation?
 
Aufgabe +2 | Selbsttest [10']
Aufgabe 2 | Selbsttest [10']
 
1. Welche der Aussagen zu Normierung, Kodifizierung und Standardsprache treffen zu?
  1. Die deutsche Standardsprache ist natürlich gewachsen.
  2. Kodifizierung meint, dass die Grammatik einer Sprache schriftlich festgehalten ist.
  3. Im Deutschen haben sich Sprachnormen verändert, wenn sie im Duden stehen.
  4. Sprachwissenschaftler*innen formulieren deskriptive Sprachgebrauchsnormen.
 
2. Welche der Aussagen zu Nonstandardvarietäten und Online-Kommunikation treffen zu?
  1. Nonstandardvarietäten sind Varietäten, die keinen Sprachnormen folgen.
  2. Die Auslassung der lokalen Präposition in «Gömmer Winterthur!» ist ein syntaktisches Merkmal einer  Nonstandardvarietät.
  3. Multimodalität bedeutet, dass nebeneinander (Bewegt-)Bild und Text verwendet werden.
  4. Emojis in der WhatsApp-Kommunikation sind ein Zeichen von Mündlichkeit.
Lösung

1.

  1. trifft nicht zu
  2. trifft zu
  3. trifft nicht zu
  4. trifft zu

 

2.

  1. trifft nicht zu
  2. trifft zu
  3. trifft zu
  4. trifft nicht zu
Aufgabe +3 |  Diskussion: Präskription und Deskription im Duden [20']

Aufgabe 3 |  Diskussion: Präskription und Deskription im Duden [20']

Schauen Sie, wie ein Wort in den Duden kommt:

Lesen Sie im Duden online die folgenden Wörterbucheinträge:

Beschreiben Sie die Haltung, die der Dudenverlag darin in Bezug auf Deskription, Präskription und Varietäten vertritt.

Lösung
  • chillen: jugendsprachlich
  • zügeln: schweizerisch (2. Eintrag)
  • zappen: umgangssprachlich
  • wegwischen: landschaftlich umgangssprachlich; vermutlich bundesdeutsche Landschaft
  • Traktandenliste: schweizerisch
  • Tagesordnung: ohne Markierung

Der Duden geht von einer «bundesdeutschen» Zielnorm aus, die als «gültige» deutsche Standardsprache gesetzt wird. Wörter wie Tagesordnung sind deshalb unmarkiert (=Normalform, implizit präskriptiv), obwohl sie in der Schweiz nicht verwendet und auch nicht unbedingt verstanden werden.

Varietäten (umgangssprachlich, schweizerisch, jugendsprachlich usw.) werden als Abweichung von der – höher gewichteten – Zielnorm markiert.

Neue Wörter auch aus Nonstandardvarietäten werden aufgenommen (Bsp. chillen): deskriptiv, Ausdruck von Sprachwandel. Dies stellt einen gewissen Widerspruch dar, da diese eigentlich dadurch charakterisiert sind, dass sie nicht kodifiziert sind. Durch die Aufnahme verlieren diese Wörter ihre gruppenkonstituierende Funktion.

Aufgabe +4 | Diskussion: Merkmale digitaler Online-Kommunikation [20']

Aufgabe 4 | Diskussion: Merkmale digitaler Online-Kommunikation [20']

Online-Kommunikation ist prototypisch geprägt durch Dialogizität, Hypertextualität, Multimodalität und Fluidity (Marx & Weidacher, 2020, 212–228). Suchen Sie auf der Webseite einer Onlinezeitung wie 20 Minuten https://www.20min.ch/ Beispiele für diese Charakteristika.

Lösung
  • Dialogizität: Likes und Kommentare bei den Artikeln, Community-Bilder
  • Hypertextualität: Verlinkung anderer Artikel, Werbung usw.
  • Multimodalität: Text, Bilder, Videos
  • Fluidität: News-Ticker, Seite verändert sich täglich/laufend, Datumsangaben