Front Stage – Blick auf die Kulissen

Mit Sprache unterwegs: Mehrsprachigkeit | Patrick Studer

Thema c Drill und Immersion: Neue Sprachen erwerben und erlernen

Aufgabe 1 | Zweitspracherwerb: Vier Beispiele [10']

Aufgabe 1 | Zweitspracherwerb: Vier Beispiele [10']

Welche Zweitspracherwerbbeispiele könnten besonders gut zu den nachfolgend beschriebenen Szenarien passen?

  1. Claudia ist 12 Jahre alt, lebt in England und lernt Deutsch. Als sie die Zeitformen des Verbs kommen übt, sagt sie kommte anstatt kam.
  2. Peter spricht Deutsch als Erstsprache und lernt neu Spanisch in seiner Freizeit. Er findet es unlogisch, dass es im Spanischen zwei Verben für sein gibt: estar und ser.
  3. Jacqueline ist 21 Jahre alt, kommt aus Frankreich und lernte in der Schule Deutsch. Als sie bei einem Besuch in der Deutschschweiz gefragt wird, ob sie gerne einen Kaffee hätte, antwortet sie: Ich liebe den Kaffee!
  4. Maria (18) stammt aus Rumänien. Sie lernt seit drei Jahren Deutsch in der Schule. Bei einem Besuch in der Schweiz sagt sie, als sie gefragt wird, woher sie kommt: Ich kommen von Rumänien.
Lösung
  1. Dies ist ein Beispiel zur Erläuterung der Identitätshypothese. Claudia verallgemeinert Regeln ähnlich wie ein Kind, welches seine Erstsprache lernt. Es zeigt ein Regelbewusstsein, welches zu Verbformen führt, welche ein Kind beim Erstspracherwerb so nicht hört. Das Kind greift also auf sein ‘LAD’ zu.
  2. Dieses Beispiel passt zur Erläuterung der Kontrastivhypothese: Peter greift beim Lernen des Spanischen auf seine L1 zu und vergleicht die Grammatik und Lexik des Spanischen mit dem Deutschen. Dadurch findet er es schwierig, sich auf die Eigenheiten der neuen Sprache einzulassen. Peter läuft dadurch die Gefahr, Übertragungsfehler zu machen.
  3. Dies ist ein Beispiel zur Erläuterung der Kontrastivhypothese: Jacqueline überträgt die Struktur des Satzes aus dem Französischen (j’aime le café). Im Deutschen würde der bestimmte Artikel ‘den’ wegfallen (ich liebe Kaffee).
  4. Dies ist ein Beispiel zur Erläuterung der Interlanguage-Hypothese: Maria greift in ihrer Satzkonstruktion weder auf die Erst- noch auf die Zweitsprache zu. Sie verletzt die Subjekt-Verb-Kongruenz, ein Regelverstoß in beiden Sprachen. Auch weist das Beispiel nicht auf inneres Regelbewusstsein hin, welches aktiviert wurde (siehe Verallgemeinerung unter a).